„Das Wegnehmen des Überflüssigen“

Immer schon waren Steine jeder Art etwas Besonderes für mich.Ob Versteinerungen, Mineralien oder Marmor, für mich sind sie die stummen Zeugen der Zeitgeschichte.
Der Zufall wollte es, dass ich beim Reparieren einer in Bruch gegangenen Figur auf den Speckstein gestossen bin. Das war so um 1990, als ich diesen seifigen Stein erstmals so richtig in die Hände bekam.

Speckstein (Steatitstein) ist ein anspruchsloses, aber in seiner künstlerisch gestalteten Form ein sehr dekoratives Material. Im Aussehen ähnelt es dem Marmor. Holz und andere Steinarten sind schwieriger zu bearbeiten als Speckstein. Denn dort sind bei der Bearbeitung Lärm und Schmutz grössere Begleiterscheinungen als dies bei dem doch "weicheren" Speckstein der Fall ist (das Tragen einer Atemschutzmaske ist wegen des Feinstaubes aber trotzdem zu empfehlen).

Zum Beispiel muss eine Arbeit in Ton oft mehrmals gebrannt werden und erhält dann sein gewünschtes Aussehen erst durch mehrfaches Glasieren. Das räumliche Vorstellungsvermögen, das beim Arbeiten mit Ton für das aufbauende Modellieren benötigt wird, ist beim Arbeiten mit Speckstein gerade umgekehrt. Hier wird nicht auf–, sondern abgebaut: „Das Wegnehmen des Überflüssigen“ so hatte es Michelangelo formuliert – und der wohl berühmteste Bilderhauer wusste wohl, was er da sagte! Gewiss, was einmal weggenommen wurde, ist nicht wieder auftragbar. Dann ist eben die Kreativität gefragt.

Der Reiz, Skulpturen zu schaffen, in denen sich lose und in sich eingeschlossene Objekte befinden (aus demselben Stein erschaffen), haben mich am meisten herausgefordert. Schlussendlich aber zeigt sich jeder beabeitete Stein erst dann von seiner besten Seite, wenn er sorgfältig geschliffen und poliert wurde.

 

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